Hanna Julian ist vielen als Autorin unbekannt. Zu unrecht. Sie schreibt tolle Bücher.
Eins davon und mehr über Hanna Julian wollen wir heute kennen lernen.
„Eric und Daniel lernen sich ausgerechnet bei einem Casting für einen Pornofilm kennen. Beide haben sie ihre Gründe dafür, doch auch mindestens genauso viele Bedenken. Kein Wunder, dass aus dem Pornogewerbe nichts wird und sich lieber miteinander beschäftigen. Doch kann aus einer solchen Begegnung wirklich eine ernsthafte Beziehung werden? Den beiden ist das erst mal egal und sie geben sich dem Taumel der körperlichen Liebe hin. Allerdings stehen da im Hintergrund immer noch ungelöste Probleme, die überhaupt erst dafür gesorgt haben, dass sie sich bei einem Pornocasting kennen lernen konnten. Auch wenn der Sex noch so schön ist, mit manchen Problemen ist eine so junge Beziehung einfach überfordert. Oder nicht? Gibt es etwa doch noch ein Platz für Liebe?
Die Autorin erzählt eine sehr erotische Story. Allerdings fügen sich die eindeutigen Szenen gut in die Geschichte ein, sodass man nicht das Gefühl hat, hier wird nur auf das Eine hingeschrieben. Mir hat besonders gefallen, dass es auch nicht nur um Sex geht, wie in so vielen anderen Büchern, sondern eben auch um Zuneigung, Beziehung, Liebe. Zum krönenden Abschluss gibt es auch ein Ende das nicht unbedingt sofort vorherzusehen ist.
Besonders hervorzuheben sind der flüssige Schreibstil und die erfreulich geringe Fehlerquote, die man bei Büchern dieses Genres ja nicht unbedingt als selbstverständlich voraussetzen kann. Ich weiß wovon ich rede *augenroll*
Also, wenn schon Erotik, dann bitte so wie hier mit Herzblut und Köpfchen. Unbedingt lesen!” Rezession von Florian Höltgen
Hallo Hanna. Ich danke Dir das Du Dir Zeit nimmst und einige Fragen beantwortest.
Zum Einstieg wäre es toll, wenn Du Dich ein bisschen vorstellen könntest.
Hanna:
Ich wurde in Köln geboren, wuchs vor den Toren Kölns auf und lebe inzwischen mit meinem Mann und unseren beiden Söhnen im Bergischen Land.
Wie kamst Du auf die Idee zu „Wie im Film“?
Hanna:
Da war diese Anfangsszene in meinem Kopf. Also, genau die Szene des Warteraums beim Pornocasting und den Konkurrenzgedanken von Daniel in diesem Moment. Woher sie kam, kann ich nicht genau sagen. Aber sie war da und daraus entwickelte sich der Roman.
Kannst Du eine kurze Inhaltsangabe machen?
Hanna:
Daniel und Eric lernen sich im Warteraum eines Pornocastingbüros kennen. Es kommt recht schnell zum ersten Sex, doch danach folgt die Ernüchterung, denn Eric hat Daniel bestohlen. Aber der Gedanke an den attraktiven Eric lässt Daniel einfach nicht los. Es kommt zum ersehnten Wiedersehen. An sexuellen Begegnungen mangelt es den beiden nicht, doch es entwickelt sich weit mehr aus diesem Verhältnis. Das ungute Gefühl, dass Eric etwas zu verbergen hat, wächst jedoch ebenso mit jedem Kapitel. Was es ist, mag der Leser gerne selbst entdecken.
Wie lange hast Du denn vom ersten Satz bis zur Veröffentlichung gebraucht?
Hanna:
Das Schreiben selbst hat nicht lange gedauert. Die Geschichte lief einfach und wurde mit jedem neuen Teil rasanter in dem Wunsch, niedergeschrieben zu werden. Es war einfach so, als würden Daniel und Eric mir ihre Geschichte erzählen und ich widmete ihnen gerne meine Zeit. Von der Zusage bis zur Veröffentlichung dauerte es dann natürlich, was völlig normal ist. Alles in allem würde ich sagen, dass vom ersten Satz an etwa anderthalb Jahre vergingen, bis ich mein eigenes Buch in den Händen halten konnte. Ein tolles Gefühl übrigens. –lächelt-
„Wie im Film“ spielt in Köln – Warum?
Hanna:
Ich fühle mich Köln sehr verbunden. Die Handlungsorte sind mir vertraut und ich wollte ihnen gerne in meiner Geschichte zusätzlich selbst erfundenes Leben einhauchen.
Gibt es einen bestimmten Grund, warum Du dir genau diese Schauplätze (z.B. Rheinpark, Deutz) ausgesucht hast?
Hanna:
Der Rheinpark hat mich schon als Kind begeistert. Ich mag die Art, wie er angelegt ist. Nichts Bombastisches, sondern einfach nur immer wieder Punkte, an denen man stehen bleibt und denkt: „Hey, ist das schön hier.“
Der Königsforst spielt eine Rolle, weil ich eine persönliche Erfahrung mit ihm in Verbindung bringe, die ich Daniel und Eric erspart habe; denn ich habe mich dort als Jugendliche mal ganz schrecklich mit dem Fahrrad verfahren. Es ist ein Wunder, dass ich überhaupt wieder in die Zivilisation zurückgefunden habe. –lacht-
Die Gegend, in der Daniel wohnt, kenne ich ebenfalls persönlich sehr gut. Dennoch habe ich mir die ein oder andere künstlerische Freiheit erlaubt, was ja auch völlig legitim ist, da ich einen Roman und keinen Reiseführer geschrieben habe. –lächelt-
War „Wie im Film“ das erste Buch, welches Du unter Hanna Julian veröffentlich hast?
Hanna:
Es war das erste gedruckte Buch, das unter meinem Pseudonym Hanna Julian erschien. Zuvor hatte ich bereits erotische eBooks beim Club der Sinne veröffentlicht, sowie die Kurzgeschichte „Experiment Nummer 13“, die in der dead soft Anthologie „Gayheimnisse“ erschien.
Wieso hast Du ein Buch geschrieben, in dem es zwei schwule Hauptcharaktere gibt?
Hanna:
Weil ich die beiden liebe. –lacht-
Okay, lass mich mal ernsthaft überlegen. Ich hatte mich zuvor schon einmal mit schwulen Charakteren schreiberisch beschäftigt und stellte fest, dass mir die Sache ziemlichen Spaß machte. Und da Spaß am Schreiben meiner Meinung nach ein ultimativ wichtiger Bestandteil dafür ist, dass eine Geschichte gut wird, habe ich auf sämtliche Vorurteile, wie etwa die, dass ich als Frau keinen schwulen Mann schreiben könnte, einfach gepfiffen.
Im Großen und Ganzen ist diese Vorgehensweise gar nicht mal so unüblich, denn als Autor schreibt man oftmals über Charaktere, auf die man sich einlassen muss. Bei mir ist es so, dass ich mich sehr wohl dabei fühle, wenn diese magische Verbindung zu meinen Protagonisten entsteht. Ob, oder wie gut mir das gelingt, dies zu entscheiden, überlasse ich stets meinen Lesern.
Ich finde Du hast sehr gut aus einer „schwulen Sichtweise“ geschrieben. Wie war Dir das möglich?
Hanna:
Ich habe mich während des Schreibens Daniel und Eric sehr nahe gefühlt. Ich habe wie sie gedacht, empfand Kummer, Sehnsucht und Lust mit ihnen. Gute Voraussetzungen, wie ich meine. –lacht- Es macht mir Spaß, Klischees zu überwinden, manchmal jedoch auch mit ihnen zu spielen, sie heraufzubeschwören und dann wie ein Kartenhaus zusammenfallen zu lassen.
Wer schreibt, der spielt: mit Wahrheiten, mit Illusionen, mit Vertrautem und Fremdem. Außerdem spiele ich schreiberisch gerne mit verschiedenen Varianten der körperlichen Liebe. Und ich hörte, dass auch Schwule gerne spielen … ja, ich fühle mich da nicht gänzlich verkehrt. –lacht-
In Hinsicht auf Dein Buch und vielleicht anderen „schwulen Büchern“ : Wer kann so etwas besser schreiben – Frauen oder Männer/Schwule?
Hanna:
Nun, das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Natürlich müsste man davon ausgehen, dass der, der echte Erfahrung sammelt, auch der bessere Autor ist. Aber so einfach ist die Sache beim Schreiben nun mal nicht. Hier kommt eine ganze Menge von Dingen zusammen. Von daher denke ich, dass es wundervolle Autoren gibt, die Gay-Geschichten erzählen können, ohne dass ich sie nach dem, was sie zwischen ihren Beinen tragen – oder auch nicht – klassifizieren möchte.
Aus welchem Grund kommt die erste Sexszene denn so früh? Normalerweise dauert es ja immer etwas. (Nein, es störte mich nicht. ^.^)
Hanna:
-lacht- Freut mich, dass es dich nicht störte. Aber natürlich hast du recht, normalerweise lauft des genau umgekehrt. Als ich die Anfangsszene im Kopf hatte, ging es mir darum, eine Liebesgeschichte zu erzählen, die mit Sex beginnt – und damit meine ich gar nicht mal was die beiden im Anschluss in Daniels Küche erleben, sondern ihre Auseinandersetzung damit, dass sie unpersönlichen Sex vor einer Kamera haben werden. Es sollte sozusagen um den Akt in Reinform gehen. Und erst nachdem beide diesen Job für sich abgelehnt haben, entwickelt sich die Beziehung zwischen Daniel und Eric. Wie, und ob das gut geht, mag ich hier natürlich nicht erzählen. Das muss der Leser schon selbst herausfinden. ![]()
Wie stellst Du dir deine Hauptcharaktere bildlich vor ?
Hanna:
Das ist eine sonderbare Sache. Ich selbst habe kein konkretes Bild meiner Hauptcharaktere im Kopf. Eigentlich nie. Natürlich beschreibe ich sie und sie sind mir vom Typ her jeweils vertraut, aber ich könnte niemals sagen, sieht aus wie Schauspieler XY oder jemand, den ich persönlich kenne. Nachdem das Cover ausgesucht war, nahm Daniel für mich allerdings tatsächlich die Gesichtszüge des Mannes auf dem Cover an – und ich finde, er passt ganz ausgezeichnet.
Ab wann haben die Charaktere begonnen, die Handlung zu „übernehmen“?
Hanna:
Ich lasse meinen Charakteren beim Schreiben immer eine lange Leine. Sozusagen von Anfang an, da ich gemerkt habe, dass ich davon profitiere, wenn ich ihnen ihre eigenen Handlungsweisen erlaube. Ich kann und möchte nicht nach Reißbrettvorgaben schreiben – Lebendigkeit steht für mich an erster Stelle. Manchmal bringen mich ungeplante Kehrtwendungen meiner Charaktere im ersten Moment in Schwierigkeiten – aber tut das Leben nicht genau dies oft genug mit einem? –lacht-
Wärst Du eventuell gern mehr auf einige Charaktere eingegangen?
Hanna:
Ich habe in meiner Anthologie „Männerlieben“ die Chance genutzt, und in meiner Geschichte „Närrische Zeiten“ einen kleinen Ausflug in die Zukunft von Daniel, Eric und Vicky gemacht. Ansonsten wäre ich bei „Wie im Film“ vielleicht gerne etwas mehr auf Daniels Mutter eingegangen. Die Szene mit ihr ist mir persönlich sehr wichtig. Aber ebenso wichtig war es mir, keinen unrealistischen Frieden zwischen den beiden zu produzieren. Insofern denke ich, dass ihr Anteil genau richtig ist. Aber ich gebe zu, dass ich mich manchmal frage, wie die Taufe abgelaufen ist. –lacht- Ich bin mir sicher, das würde Stoff für eine weitere Geschichte bieten. ![]()
Danke Hanna. Jetzt habe ich noch ein paar Fragen, die nicht wirklich was mit dem Buch zu tun haben.
Köln ist bekannt als „schwule Stadt“ – Aus Deiner Sicht, wie erklärst Du dir das?
Hanna:
Ich denke, dass es zum großen Teil an der kölschen Mentalität liegt. Nicht umsonst sagt der Kölner: „Jede Jeck es anders.“ Er drückt damit eine Toleranz aus, die ich selbst sehr mag, und sicher auch zum großen Teil so lebe. Die schwul-lesbische Szene hat in Köln ihren festen Bestandteil und ist einfach unglaublich lebendig. Außerdem ist Köln eine Medienstadt und auch hier sind sehr viele homosexuelle Größen in Köln beheimatet. Beim CSD/ ColognePride wird dann auch deutlich, dass der Kölner an sich gerne feiert. Ein Event, das man nicht verpassen sollte, auch wenn man andere CSDs kennt, so ist der Kölner eben ein ganz besonderer und unbedingt sehenswert. Auch wenn mir persönlich sehr viel daran liegt, dass die politischen und gesellschaftlichen Forderungen bei all der Feierei nicht ins Hintertreffen geraten.
Wieso schreibst Du Bücher?
Hanna:
Ich schreibe schon, solange ich zurückdenken kann. Meine ersten Geschichten schrieb ich in Schulhefte (also in welche, die ich nicht im Unterricht benutzte –lacht-). Dann folgten Texte, die ich auf einer mechanischen Schreibmaschine tippte, später dann auf einer elektrischen. Und irgendwann kam mir der Computer zu Hilfe – das sparte eine Menge Tipp-Ex. –lacht- Aber nicht jeder, der schreibt, veröffentlicht auch Bücher. Ich habe jedoch das Glück, zu diesen Autoren zu gehören. Ich freue mich, wenn sich die Leser gut unterhalten fühlen und mit mir in die Geschichten eintauchen. Genau das ist es, was ich mit meinen Büchern erreichen möchte.
Schreibst Du nur Gay-Bücher?
Hanna:
Nein. Die Frage wäre sogar eher, was ich nicht schreibe. –lacht- Ich begebe mich gerne in unterschiedliche Genres. Das reicht vom Krimi, über geheimnisvolle Familiengeschichten, bis hin zum Horror. Auch zu Liebesgeschichten lasse ich mich ab und an hinreißen … hier allerdings momentan tatsächlich fast am liebsten im Gay-Bereich. Der Grund? Ich sage ihn dir, wenn ich ihn kenne. LOL
Hast Du Kontakt zu anderen „Gay-Autoren“?
Hanna:
Ja, zu einigen. Diese Kontakte haben sich entwickelt. Aber ich bin niemand, der auf direkte Kontaktsuche mit anderen Autoren geht.
Kannst Du uns vielleicht Bücher aus diesem Genre empfehlen?
Hanna:
Ich möchte eine Empfehlung geben, da diese Reihe wohl den Grundstein für mein Interesse an schwuler Literatur allgemein gelegt hat. Es sind die Stadtgeschichten von Amistead Maupin. Ich fürchte allerdings, vieles, was dort Thema ist, ist inzwischen überholt. Und auch das San Francisco von heute sieht natürlich ganz anders aus. Aber man erfährt vieles aus der Vergangenheit und Maupin hat erst kürzlich den achten Band veröffentlicht. Damit reichen die Stadtgeschichten wieder an unsere Zeit heran. Mich haben diese Geschichten, die sich über die Jahre hinweg um die gleichen Charaktere ranken, verzaubert. Ich liebe zudem Maupins Art, seinen Protagonisten Leben einzuhauchen und bewundere seine Kunst, klare Worte zu finden, ohne niveaulos zu werden.
Hast Du Tipps für jemanden, der auch gerne schreiben würde?
Hanna:
Wer schreiben möchte, sollte es unbedingt tun! Für mich ist das Schreiben in erster Linie etwas, das ich für mich selbst tue. So habe ich auch „Wie im Film“ ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit geschrieben, sondern nur für mich.
Sich an der Leserschaft zu orientieren, ist natürlich wichtig, aber nicht, wenn es auf Kosten der Geschichte geht. Also kann ich jedem nur raten, in erster Linie auf das zu hören, was seine Charaktere ihm erzählen. Wer so schreibt, und damit Leben und Authentizität in seine Geschichten bringt, der hat auch gute Chancen, dass sich andere davon begeistern lassen.
Hast Du aktuell etwas in Planung/Bearbeitung?
Hanna:
Oh, einiges. Zum einen wäre da – thematisch passend – eine bereits fertige Gay-Science- Fiction Geschichte. Sie ist eine ziemlich rasante Mischung. Ich würde mir wünschen, dass sie meine nächste Veröffentlichung im Bereich schwule Bücher wird.
Außerdem habe ich da noch andere Projekte, die langsam Gestalt annehmen und ich mit einer Veröffentlichung liebäugele.
Aber erstmal kommt noch mein Krimi „Mord im Hafen“. Er erscheint in Kürze bei amative publisher.
Gibt es etwas, über das Du sehr gerne einmal schreiben würdest?
Hanna:
Eine Idee brennt mir gerade unter den Nägeln, aber noch bin ich nicht soweit, dass ich mich ihr annehmen könnte. Sie entstand nur aufgrund eines Stichwortes, das bei einer schwulen Stadtführung fiel. Mal sehen, ob ich die Idee irgendwann in Worte kleide. Ich bin mir sicher, da lauert eine Geschichte … ist nur so ein Gefühl. –lacht-
Danke Hanna für das tolle Gespräch und Interview. 
Ich danke Hanna Julian und Florian Höltgen für die Zusammenarbeit.












Sehr schönes Interview, sehr schön geschrieben, gute interessante Fragen und ein wirklich tolles Buch “Wie im Film”. Bin selbst stolzer Besitzer davon und kann es nur Empfehlen. Die Hanna Julian ist eine wirklich tolle Autorin
Liebe Grüße Yvi
Danke für das Lob – Und ja, da hast Du recht.
Sie ist auch privat sehr toll. Bin froh sie kennen gelernt zu haben